Mit dem Förderverein in die Zukunft

Auch das Rossini-Festival könnte die Trinkhalle retten

Denkmalgeschütztes Gebäude in Wildbad jahrelang vernachlässigt – Jetzt kümmert sich ein Verein um eine neue Zukunft

Artikel aus der „Stuttgarter Zeitung“ vom 13.04.2004
Von Andrea Koch-Widmann

Bad Wildbad, Kreis Calw. Das Land will die denkmalgeschützte Trinkhalle im Kurpark abreißen. Die Stadt möchte sie kaufen, doch das hat der Landrat untersagt. Nun bemüht sich ein Förderverein um den Erhalt. Der Petitionausschuss soll helfen.

Gleich fünf Wildbader Bürger haben den Petitionausschuss des baden-württembergischen Landtages angerufen. Sie setzen sich für den Erhalt der 1933 erbauten denkmalgeschützten Trinkhalle ein. Denn das Land will die unrentable und sanierungsbedürftige Immobilie abreißen. Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Blenke, zugleich Berichterstatter des Petitionausschusses in Sachen Trinkhalle unterstützt das Konzept des Fördervereins. Dieser will die Trinkhalle mit ihrer großen, 1000 Plätze umfassenden, wintergartenartigen Veranstaltungshalle, dem Kurparkrestaurant mit integrierter Tanzfläche und 250 Plätzen sowie der großzügigen sonnigen Terrasse übernehmen.

Der Vorsitzende Martin Hohloch legte dem Petitionausschuss das Veranstaltungs- und Finanzierungskonzept vor, mit dem der Verein das Gebäude retten will. Die Sanierungskosten sind auf 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Das Land solle 750 000 Euro zuschießen, weitere Gelder sollten aus verschiedenen Töpfen, etwa Landesdenkmalamt und diversen Stiftungen, erschlossen werden. Die laufenden Kosten würden rund 37 500 Euro in diesem Jahr und rund 66 000 Euro im Jahr 2006 betragen. Sie könnten nach Ansicht des Vereins durch Pachterlöse des Restaurants und die Mieteinnahmen bei Veranstaltungen erzielt werden. Das sei keine Milchmädchenrechnung, erklärte der Vorsitzende. Denn die Trinkhalle solle gezielt als Veranstaltungsort etwa beim Festival „Rossini in Wildbad“ und für Kleinmessen oder Betriebsfeiern angeboten werden. So könne ihre Auslastung deutlich erhöht werden. Bisher seien die Möglichkeiten der landeseigenen Immobilie nie ausgeschöpft und auf Grund dieser geringen Nutzung auch die notwendigen Sanierungen unterlassen worden, kritisierte Hohloch.

Das Land, sagt sein örtlicher Vertreter Frank Rieg, der Geschäftsführer der Bäder- und Kurbetriebs GmbH, zeige sich jedoch skeptisch, ob ein Verein die Trinkhalle tatsächlich auf Dauer wirtschaftlich verwerten und auch unterhalten könne. Zu groß sei die Gefahr, dass dem Verein „nach ein, zwei Jahren“ die Luft ausgehe und die Trinkhalle dem Land wieder zur Last falle.

Deshalb, sagte Rieg, bestehe das Land nach wie vor auf einem Abriss. Die Stadt und das Karlsruher Regierungspräsidium als Denkmalschutzbehörde hatten im vergangenen Jahr einen Abbruch abgelehnt. Jetzt hoffen die Wildbader auf den Petitionausschuss. Immerhin haben Bürger in ehrenamtlicher Arbeit ein schlüssiges Konzept auf die Beine gestellt und so die Möglichkeit aufgezeigt, wie Bad Wildbad und der Kurpark attraktiver werden könnten, zumal seit dem vergangenen Jahr auch die Stadtbahn von Pforzheim bis zur Eingangspforte fährt. Das ganze Hickhack wäre im Übrigen gar nicht nötig gewesen. Die Trinkhalle hätte schon längst im Besitz der Stadt sein können.

Doch die hatte sich – mangels Vorstellungskraft fehlte ein Konzept – nur halbherzig um eine Übernahme gekümmert. Bis die Zeit drängte. Im Jahr 2000 war dem Land der Geduldsfaden gerissen, es stellte einen Abbruchantrag. Jetzt erst griff der Gemeinderat gegen den Willen des Bürgermeisters Walter Jocher bei einem symbolischen Kaufpreis von damals einer Mark zu und erhielt 2001 im Gegenzug die Zusage des Landes, auch noch eine Million Mark für die Sanierung bereitzustellen. Eine einfache Rechnung für das Land, denn der Abriss drohte fast das Doppelte zu verschlingen. Trotz des Kaufbeschlusses zögerte der Gemeinderat. Es sollte mehr Geld für die Sanierung herausgeschlagen werden. Das Gremium pokerte zu hoch. Dann war es zu spät. Aufgrund der Haushaltsschieflage wurde Bad Wildbad als erste Kommune im Land in Sachen Haushalt unter die Aufsicht des zuständigen Landratsamtes in Calw gestellt. Die Stadt könne das Projekt nicht schultern und sich auch die Folgekosten nicht leisten., intervenierte der Landrat Hans-Werner Köblitz im März vergangenen Jahres und untersagte den Kauf.

04041301-1Binnen kurzen votierten 2000 Bürger mit einer Unterschriftenliste für den Erhalt der Trinkhalle. Auch der Bürgermeister hat inzwischen die „herausragende Bedeutung“ dieser Halle nicht nur für die Bürger und Vereine der Stadt und das gesamte Mittelzentrum erkannt. Das Konzept des Vereins , sagte Jocher, sei überzeugend, weil es eine neue, auch jüngere Klientel erschließe wie etwa mit der Dancenight des Südwestrundfunks mit 1000 Gästen im vergangenen Jahr. In Nagold, so hat sich Jocher inzwischen kundig gemacht, sei einem Verein mit der Alten Turnhalle ein solches Veranstaltungskonzept gelungen.

Im Stil eines Wintergartens
ist die Trinkhalle 1933
in Wildbad gebaut worden.
Foto: Ziegelbauer